Paraschat EKEW

(5. BM 7,12 – 11,25)

 

Der heutige Wochenabschnitt beginnt mit den Worten Wehaja EKEW... Gewöhnlich wird Ekew mit „deswegen, deshalb“ übersetzt. Wörtlich übersetzt bedeutet Ekew jedoch „Ferse“.   Raschi bemerkt hierzu, dass das Wort „Ferse“ deshalb erwähnt wird, um auch solche Gebote mit einzuschließen, die uns unbedeutend vorkommen und uns in unserer subjektiven Werteskala niedrig wie unsere Fersen erscheinen. 

Dafür dass ihr höret…..wenn ihr selbst auf die leichten Gebote, auf die der Mensch mit seiner Ferse tritt, höret, so wird der E-wige wahren, dir Seine Verheißung wahren.

( Midrasch Tanchuma)

 

Die Tora verspricht uns weiterhin, zur am meisten gesegneten Nation der Erde zu werden, wenn wir selbst jene kleineren Gebote, die häufig mit Füßen getreten werden, sorgfältig befolgen.     

Andere Exegeten sind der Meinung, das Wort Ferse sei wörtlich zu verstehen und beziehe sich auf diejenigen Mitzwot, die nur in Eretz Israel erfüllbar sind, also dort wo unsere Fersen die Erde berühren.

 

Das Wohlergehen, das Glück und der Friede des Volkes werden ausschließlich von dessen gewissenhafter Beobachtung des Bundes abhängen. Dies ist das Leitmotiv des Kapitels unseres Wochenabschnittes. Das Erinnern an die Prüfungen der Wüste wird als Lehre  dienen, um dem Volk weitere Verirrungen und Nachlässigkeiten zu ersparen die es teuer zu stehen kommen könnten.

 

Die 613 Gebote der fünf Bücher Mose sind in der Tat oft sehr kurz gefasst. Ohne eine ausführliche Erklärung wären uns viele Gesetze fast unverständlich. Daher musste es von Anfang an neben der schriftlichen Lehre -‚Thora sche bichtaw‘-, auch eine mündliche Lehre -‚Thora sche be’al Pe‘-, geben. Die mündliche Lehre bewahrt die Thora vor einer Versteinerung und verbrieft ihre Aktualität. So entstand später der Talmud, eine Sammlung von Diskussionen, Auslegungen, Lehrmeinungen und Grundsätzen, um jede der 613 Mitzwot genauestens und unmissverständlich zu erläutern.                          

Welche Mizwot wichtig oder weniger wichtig sind, ist uns nicht bekannt. Einen Grund dafür führt Rabbi Abba bar Kahana im Midrash an: Der Mensch soll bei der Erfüllung der Mizwot nicht über deren Wichtigkeit spekulieren sondern jedes Gebot mit gleicher G-ttergebenheit erfüllen. Rabbi Chija erläutert diesen Gedanken an Hand einer Parabel: Ein König bestellte seinen Gärtner zu sich und beauftragte ihn seinen Garten zu bepflanzen. Der König verriet dem Gärtner jedoch nicht welche Blumen, Bäume oder Pflanzen ihm am wichtigsten waren, da er befürchtete der Gärtner würde sonst nur diese Pflanzungen anlegen, und dadurch den Garten unvollkommen gestalten.

 

Die Frage nach der Wichtigkeit der unterschiedlichen Gebote wird auch von Rabbi Schimon bar Jochaj angesprochen, der darauf hinweist, dass die Tora in einem Fall den gleichen Lohn für das schwierigste und das leichteste aller Gebote verspricht. Es ist dies die Pflicht Vater und Mutter zu ehren, sowie die Vogelmutter am Leben zu lassen, und lediglich ihre Kücken zu verzehren. Für beide Mitzwot verspricht die Thora G“ttessegen und ein langes Leben.  

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der H-RR, dein G“tt, geboten hat

 auf daß du lange lebest und dir's wohlgehe in dem Lande, das dir der H-RR, dein G“tt, geben wird. (5.Mose 5,16)

 

 Wenn du unterwegs ein Vogelnest findest auf einem Baum oder auf der Erde mit Jungen oder mit Eiern und die Mutter sitzt auf den Jungen oder auf den Eiern, so sollst du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen, sondern du darfst die Jungen nehmen, aber die Mutter sollst du fliegen lassen, auf daß dir's wohlgehe und du lange lebest. (5.Mose 22,6-7)

Deshalb sagte auch Rabbi, achte auf ein leichtes Gebot wie auf ein schweres, denn du kennst nicht die Lohnesgabe für die Gebote. (Pirke´Awoth- Sprüche der Väter 2,1)

 

Ein Leben ohne Gebote, ein Leben ohne G“tt ist wahrlich kein Leben denn alles liegt in G“tteshand so, wie Rabbi Chanina zu sagen pflegte:(Babylonische Talmud,Berachot 33b)

 „ Alles ist in den Händen des Himmels, ausgenommen die G“ttesfurcht.“

 

Die Tora hat uns viele Gebote gegeben, um unser Leben in der Gesellschaft zu schützen und zu belohnen. Rabbi Chananja Sohn von Akaschia sagte: Der Heilige, gelobt sei er, wollte Israel beglücken, darum mehrte er ihnen Lehre und Gebote.

 

Die Tora hat uns viele Gebote gegeben, um unser Leben in der Gesellschaft zu schützen und zu belohnen. Rabbi Chananja Sohn von Akaschia sagte: Der Heilige, gelobt sei er, wollte Israel beglücken, darum mehrte er ihnen Lehre und Gebote.

Auch die 8 in unserem heutigen Abschnitt enthaltenen Mitzwot-Gebote, wären uns ohne rabbinische Erklärung unverständlich und daher unausführbar.

 

Eines dieser Gebote, das uns gut bekannt ist und zu Hause und in den Gemeinden gern und laut gesungen wird, ist Birkat Hamason- das Tischgebet:

We-achalta, we-ssaba´ta, u-beracha et Hachem E-lohecha....-Und  wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den H-RRN, deinen G“tt, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.

Dieses Dankgebet ist eine ständige Erinnerung an unsere Abhängigkeit von G“tt, denn genau wie G“tt unsere Väter täglich 40 Jahre lang in der Wüste ernährte, so tut er dies auch täglich mit uns.

Der Kotzker Rebbe wurde einst über die Bestrafung der Schlange im Paradies befragt.

 Du sollst Dein Leben lang Staub essen....“

Staub ist überall zu finden, die Schlange wird nie Hunger leiden müssen, wo ist dann die Bestrafung? Hätte G`tt ihr die Strafe auferlegt nur Erdöl, Gold oder Silber zu essen, dann wäre dies eine echte Strafe gewesen, da Erdöl, Gold und Silber schwer zu finden sind.

Aber Staub?

Der Kotzker Rebbe antwortete: Gerade dies ist die schlimmste Strafe. Dadurch, dass die Schlange überall Staub finden wird, wird sie ein Leben lang kriechen, ohne die Augen zu G`tt zu erheben,  Staub essen und satt werden.  Sie wird jedoch nie, wie wir Menschen, das Bedürfnis haben G`tt um Nahrung zu bitten und ihm dafür  zu danken. Ein Leben ohne G`tt ist wahrlich kein Leben und das ist die höchste Strafe.

 

Alles was geschieht, alles was auf uns kommt, kommt von G“tt, dass heißt dass es  von G“tt   

bestimmt ist. Mit welchen physischen und intellektuellen Fähigkeiten der Mensch geboren wird, liegt in G“ttes Hand.

Aber ob der Mensch als Gerechter oder als Frevler leben wird, liegt allein im unseren Willen, denn es heißt:

  Und nun Israel, was verlangt der H-rr, dein G“tt, von dir, als ihn zu fürchten „(Dt.10,12)

G“tt hat den Menschen zwei Wege zur Auswahl gegeben, einen guten und einen schlechten.  

Es liegt an jedem Individuum selbst zu entscheiden, ob es ein guter oder ein schlechter 

Mensch sein will.

Ist denn die G“ttesfurcht eine Kleinigkeit? Rabbi Chanina sagte im Namen des Rabbi Schimon bar Jochaj: Nichts hat der Heilige, gepriesen sei er, in seiner Schatzkammer als den Schatz der G“ttesfurcht, denn es heißt: die G“ttesfurcht, das ist sein Schatz. Freilich , für Mosche war es eine Kleinigkeit. Rabbi Chanina sagte nämlich: Ein Gleichnis: Wenn man von einem Menschen ein großes Gerät verlangt und er es hat, so kommt es ihm wie ein kleines Gerät vor,  und wenn  er es nicht hat, so kommt es ihm wie ein großes Gerät vor.

 

Der Vers 12 im 7. Kapitel unseres Wochenabschnittes zieht besonders unsere Aufmerksamkeit auf sich:

Und es wird geschehen, zum Lohn, daß ihr gehorcht diesen Vorschriften und sie beobachtet und tut, wird derE-wige, dein G“tt, bewahren den Bund und die Gnade, die er geschworen deinen Vätern.(5.Mose 7,13-8,2)

Alle Gebote, die ich dir heute gebiete, sollt ihr beobachten, daß ihr danach tut, damit ihr lebt und zahlreich werdet und hineinkommt und das Land einnehmt, das der E-wige euren Vätern geschworen hat.

Und gedenke des ganzen Weges, den dich der E-wige, dein G“tt, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kund würde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.

Der Ramban erklärt, dass bei der Erfüllung der Gebote  der E-wige uns mit  langem Leben bescheren wird, unsere Kinder und unser  Haben segnen wird, so wie es geschrieben steht: „ Und er wird dich lieben und segnen und mehren, und er wird segnen die Frucht deines Leibes und  den Ertrag deines Ackers, dein Getreide, Wein und Öl, und das Jungvieh deiner Kühe und deiner Schafe in dem Lande, das er dir geben wird.“

Der Sforno erklärt ausführlicher, dass das Streben der Menschen Erfolge zu haben hauptsächlich auf drei Gebieten liegen. Dies sind: ein Langes Leben, viele Kinder zu haben und materieller Wohlstand. Durch Beachtung der Mitzwot werden diese Wünsche erreicht.

      Aber gerade die Erfüllung all dieser Gebote ist sehr schwer, fast unmöglich wie wir wissen. Was können wir  tun um erfolgreich zu sein?

Rabbi Abraham Ibn Ezra zeigt uns den Weg: Wenn ihr die Gebote erfüllen wollt, um leben zu können, dann erinnert euch und gedenkt des ganzen Weges, den uns der E-wige, unser G“tt, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, denn nur wenn wir uns an den ganzen Weg die uns G“tt 40 Jahre lang in der Wüste geführt hat, erinnern, werden wir belohnt. Denn die Erinnerung ist die Voraussetzung für das Erfüllen der Gebote.  Die Erinnerung ist die Voraussetzung G“tt zu fürchten, zu lieben und zu dienen.

      Gedenke, was dir der E-wige getan hat auf dem Wege bei eurem Auszuge aus Ägypten ......Vergiß nicht!

 

 

 

Benjamin David Soussan,

Landesrabbiner

 

Magdeburg - Juli 2002

 

 

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5. Buch Moses